Dunkel war die Nacht, frostig der Wind… das Pfeifen des eisigen Frostes wurde nur durch Rufe der Kreaturen der Nacht unterbrochen. Das gleißende Licht des Mitsubishis – selbst Schwarz wie die Nacht – zerschnitt wie ein scharfes Messer die Finsternis.

„Biep Biep Biep“ tönt es aus dem schwarzen Ungetüm, ein Geräusch, dass selbst routinierte Fahrer kurz inne halten lässt – „Glatteis-Gefahr“. Unbeirrt geht die Fahrt weiter. Mittlerweile hat sich die Dunkelheit den Himmel vollends erobert, der letzte Sonnenstrahl wich der Düsternis der Nacht.

Das Ziel ist fast erreicht, der Schwarze wird langsamer. Gelbes Blinklicht macht unweigerlich klar, wohin die Reise geht. Ein kurzes aufröhren, dann wälzt sich auch schon der dunkle Koloss durch die Finsternis – zielstrebig, wie immer.

Es ist niemand hier – der Parkplatz gehört dem Mitsubishi alleine – wenig überraschend.

Der Japaner hat seine Aufgabe erfüllt – hat sicher durch die Finsternis geführt. Nun sind andere Japaner am Zug. Das Stativ wird geschultert, der Rucksack gepackt. Niemand ist hier. Niemand, ausser der schwarze Wagen, zwei Kameras – und ein Fotograf.

Die Dunkelheit nimmt einem die Sicht und der eisige Wind jetweges Gefühl in den Händen. Egal – heute ist der Tag der Entscheidung – ein Projektfoto ist noch immer nicht gemacht und die Voraussetzungen für das Thema könnten nicht besser sein. Es ist dunkel – verdammt dunkel. Nur das Licht der Taschenlampe und das der fernen Stadt ist sichtbar. Gut so.

Das Stativ wird neben dem veralteten Fernglas des Aussichtspunktes aufgestellt – hier ist wohl der beste Platz für freie Sicht. Die Schrauben werden festgezogen, eine letzte Kontrolle der Wechselplatte, dann kann es los gehen.

Die Nikon muss als erstes ran. Schwere Geschütze werden aufgefahren. Zuerst soll das 18-200 beweisen, dass es die Anschaffung wert war.

Die Bedingungen sind rauh. Väterchen Frost schickt seine eisigsten Winde wie es scheint. Spiegelvorauslösung und Fernauslöser ist die Antwort darauf. Klick-Klick-Klack hallt es durch die Nacht. Der Ruf der Nikon durchbricht die Stille. Ein zweites Mal… ein drittes Mal… das Objektiv hat seine Schuldigkeit getan.

Es folgt das 70-300 – die Kamera wird am Stativ nach unten gerichtet, das 18-200er abmontiert. Im Schein der Taschenlampe erfolgt der Tausch – ein gewichtiger Koloss folgt dem nächsten. Väterchen Frost schickt seine eisigen Engel, doch – welch Ironie – lässt mich das ziemlich kalt. „Available Light“ schon beim Objektivwechsel – auch ganz nett.

Ein kurzer Check, ob die Nikon-„F-E-E“ (Anmerkung: Fehlermeldung im Display, dass das Objektiv nicht korrekt befestigt wird) uns einen Gruß hinterläßt – Fehlanzeige. Gut so. Das 70-300er wird auf die Stadt gerichtet – die Stadt gehört nun mir. Kurz noch die Einstellungen prüfen. Klick-Klick-Klack – tönt es aus der Gelben – kurz darauf hallt der Ruf eines Wildschweins aus dem Wald. Hier kommuniziert die Wildnis mit der Technik, fantastisch. Zwei, Drei Fotos, das muss reichen, denn aus kalt wird mittlerweile frostig.

Die Nikon hat ihre Aufgabe erfüllt und darf wieder in den Rucksack. Jetzt muss die kleine Japanerin ihre Qaulitäten beweisen – und schon landet die Sony auf dem Stativ. Dem Leichtgewicht wird das 70-210er angesteckt. Ein Unikum in jeder Hinsicht. Regelrecht befremdlich wirkt es auf der zarten, zierlichen Kamera. Aber das sieht sowieso keine Seele in der dunklen Nacht.

Der elektronische Sucher funktioniert tadellos, trotz extremer Dunkelheit – so soll es sein. „Klick-Klack“ – auch die Sony verkündet ihr Werk mit ähnlichen Geräuschen, auch wenn das Zurückschnappen des Spiegels hier weg fällt. Ein paar Fotos, das wars…

Zuguterletzt noch das 18-55er rauf. Die zwei Japaner unterscheiden sich in jeglicher Hinsicht – sogar beim Objektivwechsel, den man bei der Sony genau anders rum machen muss – ich vergaß…

Müdigkeit. Nicht nur bei mir, auch bei der Sony. Es ist verdammt kalt hier draußen. Die Dunkelheit und die Kälte stehlen Mensch und Gerät die letzten Energiekapazitäten. Es reicht. Projektziel erfüllt. Zurück zum „Schwarzen“, bevor dieser noch völlig auskühlt. Ab nach Hause, ab in die Stadt, die ich gerade fotografierte. Ab zu einer heißen Tasse Tee.

 

Ps: Sorry für diesen „ungewohnten Text“. Nachdem ich – wieder einmal – ganz klassisch mit „Wieder einmal sind zwei Wochen rum und für 2613 soll ein Foto abgegeben werden. Dieses Mal lautete das Thema… “ begann , dachte ich mir, es könnt auch mal was anderes sein. Also experimentierte ich ein bisschen und ließ die Worte einfach „fließen“… ich hoff es ist nicht zu übertrieben für einen Photoblog 😉

Anbei die Fotos:

Wien Fernsicht – Sony

Bei der Sony wollte ich eine Art „Sin City“ Feeling rüberbringen. Daher habe ich kurzerhand die Farben entsprechend adaptiert, ich denke das Ergebnis ist ganz in Ordnung. Die „rote“ Wolke am Himmel war tatsächlich so vorhanden. Ich habe sie aber bewusst etwas überzeichnet um dem ansonsten etwas lauem Himmel einen Eye-Catcher zu geben.

Wien Fernsicht – Nikon

Die Nikon-Fotos hingegen wirken kühl, frostig, sachlich. Ich wollte zuerst auch in Richtung „rot“ abgleiten, aber merkte schnell, dass das mit den Sony-Fotos einfach besser gelang. Im Gegenzug hatte aber gerade die blau-graue Tönung perfekt die winterliche Stimmung vor Ort eingefangen.

Wien Stephansdom und AKH - Sony

Wien Stephansdom und AKH – Sony

Das Foto ist echt gelungen, der Dynamik-Umfang der Sony spielt hier seine Stärken aus. Dank HDR überstrahlt das Foto auch nicht.

Wien AKH und Stephansdom – Nikon

Hier der selbe Ausschnitt, mit „konventiellen“ Methoden. Findet ihr das nicht auch interessant, wie man aus dem selben Motiv völlig unterschiedliche Eindrücke gewinnt, je nachdem auf welche Mittel man einsetzt? Hier habe ich übrigens bewusst die Helligkeit nach unten korrigiert um ein realistischeres Gesicht der Stadt zu zeigen. Hier stimmen auch die Farben und die Schärfe ist natürlich auch nicht zu vernachlässigen.

Wie findet ihr es? Welches der vier Fotos bzw. welcher Stil spricht euch am meisten an? Bevorzugt ihr eher realistische Fotos, oder eher die kreativen, künstlerisch angehauchten Gegenstücke? Ich freu mich schon auf euer Feedback und bin gespannt, was Alex und Jörg sich fürs vemutlich letzte (?) Thema ausdenken.

4 Kommentare
  1. Netty
    Netty sagte:

    Wow, das liest sich ja fast wie ein Krimi – sehr cool geschrieben !
    Bei der Fernsicht von Wien gefällt mir die bläuliche Variante besser und bei den beiden unteren Bildern mit dem Stephansdom die wärmere/rötliche Farbgebung. Ich finde, bei den Farben kann man durchaus etwas „herumspielen“ bei der Bearbeitung, das hat auch nichts Künstliches, weil man es auch durch unterschiedliche Weißabgleiche beeinflussen könnte – dein Projektfoto gefällt mir sehr gut !
    LG, Netty

  2. Werner
    Werner sagte:

    Hallo Michael,

    die Story (=Stil) ist klasse.- Richtig gut. In dir steckt ein Autor. …. 🙂
    Und wie immer starke Aufnahmen. Die Farbgebung ist wie immer Geschmackssache. Ich selbst mag mehr die „blaue“ Umgebung“… Ist halt Winter…
    Lg,
    Werner

  3. Janine
    Janine sagte:

    Manchmal finde ich so neue Wege gar nicht schlecht. Der Text liest sich ziemlich gut und mann kann ihn gar nicht überfliegen. TipTop für die Leserbindung. Merkt man da eigentlich was an der Verweilzeit für diesen Beizrag auf dem Blog? Ich denke schon. 🙂

    Bei den Bildern mag ich keinen Favoriten küren. Jedes ist für sich stimmig und zeigt mal wieder welche unterschiedlichen Stimmungen man doch mit einem Ausschnitt erreichen kann.

    Liebe Grüße
    Janine

  4. Rewolve44
    Rewolve44 sagte:

    Wunderschön die Fotos, mir gefallen auch alle denn sie sind jedes für sich Stimmig.
    Auch dein Text lest sich sehr gut, ungewohnt aber toll.
    Warst du auf dem Kahlenberg oben für die Fotos, schaut nämlich so aus.

    Lg,
    Rewolve44

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